Lernen als Gestaltungs­möglichkeit im stetigen Wandel

Wie lässt sich eine Lernkultur im Unternehmen etablieren? Impulse aus der Praxis von der Leiterin der PM-Akademie.

Autorin Franziska Schacht

Warum eine Lernkultur strategisch ist

Die Digitalisierung, hybride Arbeit und schnelle Marktveränderungen machen kontinuierliches Lernen zur Kernaufgabe von Unternehmen. Mitarbeitende brauchen heute mehr als Fachwissen: Selbstorganisation, Kreativität und Lernbereitschaft sind Schlüsselkompetenzen.

Unternehmen, die Lernen systematisch fördern, können sich schneller anpassen, Talente halten und Innovationskraft steigern. Aktuelle Reports (z. B. LinkedIn Workplace Learning Report 2025) zeigen, dass Investitionen in Mitarbeiterentwicklung direkt mit Mitarbeiterbindung und Unternehmenserfolg korrelieren.

Moderne Lern­formate – was wirklich wirkt

Micro­learning & Kurz­formate

Microlearning-Einheiten (5–15 Minuten) nehmen als Lernformat stark zu. Sie sind leicht konsumierbar, praxisnah und erzielen deutlich höhere Abschlussraten als klassische Seminare. Mitarbeitende bevorzugen kurze Lernhappen – Videos, Podcasts oder interaktive Online-Workshops –, die sie flexibel in ihren Arbeitsalltag integrieren können.

Kombination aus asynchronem & synchronem Lernen

Großer Lernerfolg entsteht durch die Verbindung beider Formate:
Kurze asynchrone Inhalte (Videos, Quizzes, Artikel) bereiten vor, während Live-Sessions und Reflexionsphasen den Transfer in die Praxis sichern.

Diese Struktur ermöglicht „Lernen im Fluss der Arbeit“ – und ist das Fundament einer lernenden Organisation.

So baust Du eine lernende Organisation auf – 7 konkrete Schritte

Praxis­beispiel: Wie die Master­class Projekt­management die 7 Schritte lebt

Ein konkretes Beispiel für eine moderne Lernarchitektur liefert die Masterclass Projektmanagement.
Sie wurde genau auf die Anforderungen einer lernenden Organisation ausgerichtet – praxisnah, interaktiv und transferorientiert:

  • Vision & Leadership: Jedes Modul ist auf reale Projektanforderungen abgestimmt – vom Start über Kommunikation bis zum Risikomanagement. Trainer:innen mit langjähriger Praxiserfahrung begleiten die Teilnehmenden individuell.
  • Bedarfsorientiert: Teilnehmende wählen Themen und Vertiefungen entsprechend ihrer Projekte oder Führungssituation.
  • Smarte Formate: Kombination aus Microlearning-Videos, interaktiven Online-Workshops, Reflexionsaufgaben und Team-Sessions.
  • Ressourcen & Tools: Eine Lernplattform mit On-Demand-Inhalten, Vorlagen, Checklisten und Templates für den direkten Einsatz im Projektalltag.
  • Reflexion & Transfer: Jede Einheit endet mit einer Learning-Quadrants-Reflexion – was lief geplant gut, was muss angepasst werden, was war überraschend erfolgreich?
  • Messbarer Lernerfolg: Teilnehmende setzen Methoden in ihren Projekten direkt um – Feedback und Lessons Learned werden dokumentiert.
  • Skalierung: Erfahrungen werden in der Community geteilt – über regelmäßige Live-Calls, Peer-Learning und Projekt-Supervisionen.

Das Ergebnis: nachhaltige Kompetenzentwicklung statt Frontalunterricht. Lernen wird Teil der Arbeitsroutine – nicht ein zusätzlicher Termin im Kalender.

 

Zertifizierung & Karriereperspektiven

Die Masterclass kann zudem als Grundlage für offizielle Zertifizierungen genutzt werden, etwa:

  • IHK-Projektmanager/in
  • PMI® (Project Management Institute) CAPM® oder PMP®
  • GPM/IPMA Basis oder Level D

Damit verbinden Teilnehmende praxisnahe Anwendung mit anerkannter Qualifikation – ein entscheidender Vorteil für den nächsten Karriereschritt.

Die Masterclass ist damit mehr als ein Training – sie ist ein Beispiel für gelebte Lernkultur und moderne Personalentwicklung.

Learning Quadrants – konkrete Anleitung & Beispiel

Anleitung (ca. 45 Minuten):

  1. Sammle Erfahrungen aus einem Projekt oder Sprint.
  2. Ordne in vier Felder: geplant/erfolgreich, geplant/gescheitert, ungeplant/erfolgreich, ungeplant/gescheitert.
  3. Identifiziere Muster: Welche Annahmen waren richtig oder falsch?
  4. Leite 3–5 konkrete Maßnahmen ab (Wer? Was? Bis wann?).
  5. Dokumentiere Ergebnisse und folge der Umsetzung nach 4–8 Wochen.

Praxisbeispiel:
Ein Team testet ein neues Kunden-Onboarding. Im Quadranten „ungeplant, aber erfolgreich“ taucht auf: „Kurzvideo zur Produktübersicht erhöhte Kundenzufriedenheit“.
→ Maßnahme: Videoformat standardisieren und in alle Onboardings übernehmen.

Zahlen & Trends (aktualisiert 2025)

  • 89 % der Unternehmen sehen Lernen als strategischen Erfolgsfaktor (LinkedIn Learning Report 2025).
  • Microlearning steigert Abschlussraten um bis zu 80 % im Vergleich zu klassischen Formaten.
  • 61 % der Mitarbeitenden wünschen sich mehr Austausch- und Reflexionsformate (Gallup 2025).
  • Der Markt für digitale Weiterbildung wächst jährlich um rund 15 % und integriert zunehmend KI-gestützte Lernempfehlungen.

Implementierungs-Check­liste

  • Lernzeiten im Kalender festlegen (z. B. 1 Std./Woche)
  • Microlearning-Bibliothek aufbauen
  • Peer-Learning-Formate etablieren
  • Learning Quadrants regelmäßig einsetzen
  • Transfermessung alle 3 Monate durchführen

FAQ – Lernen & Lern­kultur in Unternehmen

Wie starte ich als Führungskraft mit einer Lernkultur?
Starte klein: Lernzeit einplanen, Microlearning-Formate ausprobieren, Team-Reflexionen einführen. Wichtig ist Vorbildfunktion – Führung lernt mit.

Welche Lernformate funktionieren im Remote-Kontext am besten?
Asynchrone Videos, Micro-Lessons, digitale Boards für Retros und kurze Live-Sessions mit interaktiven Elementen.

Wie erkenne ich, ob Lernen in die Praxis übergeht?
Beobachte Projektfortschritte, nutze Feedbackrunden und dokumentiere sichtbare Veränderungen im Verhalten oder Prozessergebnis.

Was tun, wenn Mitarbeitende Lernangebote nicht nutzen?
Prüfe Relevanz und praktische Anwendbarkeit. Inhalte müssen spürbaren Mehrwert für aktuelle Projekte bieten.

Welche Rolle spielt Zertifizierung?
Sie erhöht Verbindlichkeit, Motivation und Anerkennung. Programme wie IHK, PMI oder GPM schaffen eine standardisierte Basis für den beruflichen Aufstieg.