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Neues aus der Kaffeeküche #2 – Wie wollen wir zukünftig arbeiten und lernen

Christina Hofacker

Managerin Training & Executive Coach

Ich freue mich auf einen weiteren Talk in unserer Blogreihe "Neues aus der Kaffeeküche".

Wenn Du es noch nicht kennst...ich unterhalte mich regelmäßig mit interessanten Menschen über das Thema modernes Arbeiten und wie sich Arbeitsweisen, gerade im letzten Jahr, verändert haben. Diese Erkenntnisse aus den Gesprächen möchte ich gern mit Dir teilen.

Also mach Dir einen frischen Kaffee und nimm Dir den Moment, um an unseren Erfahrungen teilzuhaben!

Heute spreche ich mit Ada Pellert, Rektorin der FernUniversität Hagen.

Wir haben in unserem Kaffeegespräch das letzte Jahr reflektiert, den Blick auf die neue Normalität und die moderne Arbeitswelt geworfen, sowie die Anforderungen an Führung und lebenslanges Lernen beleuchtet.

Ada Pellert hat an der Wirtschaftsuniversität in Wien mit 25 Jahren promoviert und war anschließend Hochschullehrerin in Graz und Klagenfurt. Ihr Weg führte sie nach Berlin, wo sie von 2009-2015 als Gründungspräsidentin und Professorin für Organisationsentwicklung und Bildungsmanagement an der deutschen Universität für Weiterbildung tätig war.

Von 2011-2016 war sie Präsidentin der Carl-Benz Universität in Peking und seit März 2016 ist sie Rektorin der Fernuniversität in Hagen.

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bildungs- und Hochschulmanagement, sowie Personalentwicklung und Organisationsentwicklung. Weitere Schwerpunkte sind Gender und Diversity Management, sowie lebenslanges Lernen. Seit September 2016 ist sie außerdem vorsitzende der digitalen Hochschule NRW und seit August 2018 Mitglied im 10 köpfigen Digitalrat der Bundesregierung.

Die FernUniversität ist seit ihrer Gründung 1974 geprägt von Themen wie Digitalisierung, Diversität und lebenslangem Lernen. Mit durchschnittlich 75 000 Studierenden ist die FernUniversität die größte Hochschule Deutschlands und versteht sich als Ort der Vernetzung und des Austausches für Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Über Netzwerke fließen wissenschaftliche Erkenntnisse von außerhalb der Universität ein.

Durch die Forschung bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte für kooperative Projekte, Auftragsforschungen und Beratungsleistungen. Als größte Bildungsinstitution
und eine der bedeutendsten Arbeitgeber in Hagen engagiert sich die FernUniversität zudem in Kooperationsprojekten für die Stadt- und Regionalentwicklung.

In unserem gemeinsamen Austausch haben wir uns mit den folgenden vier Themen beschäftigt und ich habe unsere Erkenntnisse für Dich zusammengefasst.


Gemeinsame Reflexion auf das letzte Jahr: Was waren die größten Veränderungen?

Viele arbeiten zur Zeit aus dem Homeoffice, Schüler lernen digital und auch Freunde und Familie sehen sich über virtuelle Kanäle. Der externe Zwang durch die Corona-Pandemie hat viel bewegt und einen Schub der Digitalisierung für alle hervorgerufen. Vor allem auf der Ebene der Kommunikation hat sich einiges getan.

  • Videokonferenzen über verschiedenste Tools (Zoom, Jitsi, MSTeams, GoToMeeting, Cisco Webex, Skype und viele mehr) wurden ausgetestet
  • Emails wurden durch Chats abgelöst oder durch kurze persönliche Anrufe
  • Kollaborative Zusammenarbeit an gemeinsamen Dokumenten wurde getestet
  • Klebezettel wurden durch virtuelle Boards ersetzt
  • Kaffeeküchen-Gespräche wurden zu digitalen Kaffeeküchen oder virtuellen Gin Tonic Abenden
  • Kommunikation ist kürzer, schneller, direkter und lockerer über digitale Kanäle geworden

Im Bereich der Digitalisierung haben wir die größte Veränderung erlebt. Durch den Außendruck wurden wir mit der Nase drauf gestoßen und gezwungen viel stärker hinzusehen und die Frage zu stellen, wie können wir uns in dieser zunehmend digitalen Welt bewegen.

Wir haben festgestellt, dass sich vieles nicht theoretisch diskutieren lässt, sondern dass wir Veränderungen erleben und den Mut haben müssen reinzuspringen. Wir haben uns zuvor mit viel zu vielen theoretischen Diskussionen über Digitalisierung aufgehalten. Die einen die alles toll und die anderen die alles schrecklich gefunden haben. Wir haben festgestellt, es ist weder das eine noch das andere, aber man kann erst darüber urteilen, wenn man es ausprobiert und praktische Erfahrungen gesammelt hat.

Die größte Veränderung ist also, dass wir durch Ausprobieren und reflektieren neue Wege der Digitalisierung gegangen sind und daraus gelernt haben. 


Der verfälschte Blick auf New Work

Nach einem Jahr Pandemie und Homeoffice fragen sich viele Menschen: Und das ist jetzt modernes Arbeiten? Ich sitze den ganzen Tag vor dem Computer, mache Videokonferenzen und treffe niemanden? Nein danke das will ich nicht.

Mit zusätzlichen Herausforderungen, die wir zu stemmen haben, wie Kinderbetreuung, Homeschooling und Unterstützung naher Angehöriger, sowie schwächelnder Technik und Internetverbindung ist dies nicht verwunderlich. Es geht weder beim modernen Arbeiten noch beim Lernen, um die vermehrte Nutzung von digitalen Medien. 

Das ist nicht der Kern. Die Schwierigkeit ist, dass alles technisch überlagert ist. Wenn wir vorher nicht darüber nachdenken, was gute Zusammenarbeit ausmacht, kann es auch nicht anständig medial umgesetzt werden. Beispielsweise sollte ein vertrautes Mitarbeitergespräch nach Corona auch wieder unter vier Augen stattfinden. Damit ich die Körpersprache sehen und eine vertrauliche Atmosphäre schaffen kann.

Umgekehrt werden wir zukünftig nicht durch die ganze Republik reisen, um ein einstündiges, schlecht vorbereitetes Meeting durchzuführen. Für jeden Inhalt müssen wir die passende Form finden und entscheiden, wann macht ein virtuelles Treffen und wann ein physisches Treffen Sinn. Wir sind nun in der glücklichen Lage nachdenken zu müssen. Präsenz ist ein knappes Gut und sollte so gestaltet sein, dass es produktiv ist. 

Die folgenden Fragen zu stellen ist nun unsere Chance:

  • Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?
  • Was ist uns wichtig?
  • Was ist produktiv?
  • Was tut uns gut?

Hierfür braucht es für Führungskräfte und Teams die Möglichkeit und Ruhe die aktuelle Situation zu reflektieren und sich diese Fragen zu stellen. Hierfür sollte sich jedes Unternehmen die Zeit nehmen. Nur so schaffen wir es, dass Unternehmen und Mitarbeitende zu echten Fans werden für modernes Arbeiten.


Zurück zum Alten oder neue Normalität?

Viele Unternehmen sind auch nach einem Jahr Pandemie noch in der abwartenden Haltung. Ganz unter dem Motto: Bald ist es vorbei und dann ist alles beim 'Alten'. Diese Haltung hilft uns in diesen Zeiten aber nicht.

Eine Arbeitswelt, wie vor der Pandemie, wird es nicht mehr geben, sondern wir werden zu einer neuen Normalität nach Corona kommen. Wenn man tiefer geht und den Kern von moderner Arbeit betrachtet, geht es darum zu hinterfragen: "Warum reicht es nicht mehr, so wie wir gearbeitet haben?

Da kommt auch Agilität ins Spiel und hilft uns. Agiles Arbeiten heißt ausprobieren, mutig sein, zu reflektieren und anzupassen. Agilität ist produktiv und zeitgemäß. Die hierarchische Denkweise hilft uns aktuell nicht.

Es reicht nicht, den einen anzuhören, der die Welt interpretiert und sagt was wichtig ist. Das ist zu langsam und zu schwerfällig. Wenn wir erfolgreich sein wollen, dann müssen wir überlegen:

  • Wie können wir Menschen zu mehr Eigenverantwortung bringen?
  • Wie bekomme ich sie in die Verantwortungsübernahme für Aufgaben und Themen?
  • Wie befähige ich sie dafür?
  • Wie schaffe ich eine Vertrauensbasis für die Übertragung von Aufgaben?
  • Wie schaffe ich es, eine positive Fehlerkultur zu kreieren?

Ein wichtiger Bestandteil dafür ist die Mitarbeitenden von Anfang an mitzunehmen. Grundsätzlich hat jede Arbeitsorganisation ein Zweck und ein Ziel. Diese Vision muss an die Mitarbeitenden vermittelt werden. Es sollte im besten Fall gemeinsam erarbeitet werden, was es braucht und was passt, um diese Aufgabe gut erfüllen zu können und die Ziele zu erreichen. Zufriedene Mitarbeitende sind am Ende die produktiveren Mitarbeitenden.

Deshalb sollte der Modus des Abwartens abgeschaltet werden und die Chance der Pandemie eine neue Art der Arbeit zu etablieren ergriffen werden.


Führungskräfte als Vorbild für lebenslanges Lernen

Wir lernen nicht nur in formal dafür vorgesehenen Situationen. Als Führungskraft solltest Du Dich fragen: Wann habe ich das letzte Mal qualitativ hochwertig und gut gelernt?

Analysiere diese Situation und frage dich, ob Herz, Hand und Hirn angesprochen wurden. Das bedeutet zu schauen, wann wurdest Du emotional angesprochen, wann konntest Du Dinge ausprobieren und wie wurden Dir die Inhalte vermittelt. So muss qualitativ hochwertiges Lernen nämlich aussehen.

Beim lebenslangen Lernen sind Führungskräfte Vorbild für die Mitarbeitenden. Eine Führungskraft, die nicht ausstrahlt, dass sie es wichtig findet zu lernen und sich auch stetig zu hinterfragen und zu verbessern, wird diesen Spirit auch nicht in ihrem Umfeld versprühen.

Corona hat überall die vorherrschenden Situationen verschärft und in Frage gestellt. Natürlich auch beim Thema Führung. Die Führungskräfte, die sich schon immer sehr intensiv mit dem Thema Führung und Lernen beschäftigt haben und schon vor Corona gut geführt haben, die konnten auch in dieser sehr schwierigen Umgebung führen. Diese Führungskräfte haben es schnell geschafft, die Arbeit auf andere und neue Instrumente umzustellen.

Führungskräfte, die schon vorher nicht gut führen und Beziehungen zu Mitarbeitenden aufbauen konnten, hatten in der neuen Situation Schwierigkeiten oder mussten einfach härter an sich arbeiten.

Das Thema Führung ist in dieser Zeit relevanter als je zuvor und das sollten wir uns bewusst machen und nutzen. Es ist sinnvoll, einen erneuten Einstieg in Führungsfragen zu starten und über den Anlass der Pandemie längst fällige, unbeantwortete Fragen zur eigenen Führung zu beantworten.  


Du willst mehr zum Thema Führung lernen? Dann melde Dich zu unserem Wissensschacht Führungstraining (IHK) an:

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Coffee Summary

Wir können sagen, dass die durch die Pandemie geprägte Ausnahmesituation ein völlig falsches Bild auf die moderne Arbeitswelt wirft. Die Technik überlagert den Kern und den Wert von moderner Arbeit.

Nimm Dir die Zeit und hinterfrage Dich selber, Deine Arbeitsweisen und die Zusammenarbeit im Team. Nutze dies als Chance und als Neustart um in die moderne Arbeitswelt einzutauchen.

Vielen Dank, Frau Pellert für den offenen Austausch und das Teilen Ihrer Erfahrungen. Es hat Spaß gemacht!

Ich wünsche Euch, liebe Lesende weiterhin viel Erfolg in diesen herausfordernden Zeiten, haltet durch und bleibt gesund.


Lass uns jetzt in den Austausch kommen, schreib mir eine kurze Mail!

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