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Was ist New Work?- Die Geschichte der neuen Arbeit

Wenn ich mit meinen Eltern oder Großeltern darüber rede, wie meine Generation arbeiten möchte, muss ich immer wieder Wege finden, den Begriff New Work zu erklären. Das ist auf Anhieb gar nicht so einfach.

Zusammengefasst steht New Work für eine Form von Arbeit, die sich von der klassischen Lohnarbeit darin unterscheidet, dass sie den Aspekt der Sinnfindung in den Mittelpunkt der Arbeit stellt.

Die Kurzerklärung ist also: New Work ist die Sinnfindung in der eigenen Arbeit.

Die Grenzen von Arbeits- und Privatleben sind in den letzten Jahren, getrieben durch den digitalen Wandel, immer mehr miteinander verschmolzen. Deshalb muss Arbeit heutzutage mehr sein als nur Mittel zum Zweck.

Für das Verständnis von New Work gibt es keine einheitliche Definition, keine Regeln oder Gesetze. Der Begriff lässt viel Interpretationsspielraum zu und kann sich auf viele verschiedene Bereiche beziehen. Außerdem entwickelt das Verständnis der neuen Arbeit permanent weiter und hat gerade im letzten Pandemie-Jahr viele neue Facetten bekommen.

Dieser Beitrag soll deshalb nicht definieren was der Begriff genau bedeutet, sondern erklären wo er herkommt und welche Facetten die neue Arbeitswelt hat.


Was ist...?

Dieser Beitrag ist Teil unserer Blogreihe "Was ist ...?".
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Die Bedeutung von Arbeit und Beruf im zeitlichen Verlauf

Um die Entwicklung hin zur New Work Bewegung zu verstehen ist es nötig einen Blick auf die Geschichte der Bedeutung von Arbeit und Beruf zu werfen.

Nicht nur die Definition von Arbeit hat sich im Laufe der Geschichte sehr verändert, sondern vor allem das Verständnis der Menschen von sich selbst als Arbeitnehmende.

Während Arbeit in verschiedenen Zeit-Epochen völlig unterschiedlich definiert wurde, war sich die Menschheit in jeder Epoche und innerhalb einer Kultur immer sehr einig über den Arbeitsbegriff. Eine Veränderung des Verständnisses wurde meist durch politische Veränderungen, technische Innovationen und einen daraus resultierenden neuen Zeitgeist angestoßen.


Arbeit in der Antike

In der Antike teilte Arbeit die Menschen auf extreme Weise in verschiedene gesellschaftliche Klassen ein. Sklaven und das niedere Volk erledigten schwere, körperliche Arbeiten. Besser angesehen waren Arbeiter im Handwerk. An der Spitze des Ansehens standen die Mitglieder der Gesellschaft, die sich mit Politik und Bildung beschäftigten.

Eine Erfüllung oder einen Sinn in der Arbeit gab es für die Menschen der unteren Gesellschaftsklassen nicht. Der obere Teil der Gesellschaft hatte das Privileg, Erfüllung in der Arbeit zu finden.


Arbeit im Mittelalter

Im Mittelalter veränderte sich der Begriff der Arbeit zum ersten Mal drastisch. Die Menschen glaubten an eine christliche Interpretation des Arbeitsbegriffs und sahen Gott als das perfekte Vorbild des Arbeitenden an.

Arbeit wurde nicht mehr nur als Last angesehen, wie in der Antike, sondern auch als Erfüllung oder sogar Erlösung.

Zu dieser Zeit entwickelte sich das Konzept der Arbeitswoche, wie wir es bis heute kennen mit dem Sonntag als Ruhetag, angelehnt an die Schöpfungsgeschichte der Bibel. Im Vergleich zur Antike, erfuhr der Arbeitsbegriff im Mittelalter folglich eine starke Aufwertung.

In der Epoche der Neuzeit war vor allem die Einführung neuer Technologien wie Schienen für Wagen und später die Eisenbahn prägend für das Verständnis des Arbeitsbegriffes. Die Erfindung der Schienen bedeutete, dass die Beförderung von Material immens erleichtert wurde und nicht mehr ausschließlich auf menschliche Kraft angewiesen war. Die Mühe- und Lastkomponente von Arbeit konnte also durch neue Techniken ein Stück weit in den Hintergrund treten und die Menschen sahen Arbeit im Kontext eines protestantischen Ethos.

Die anschließende Arbeitsreformation, dessen Urheber John Calvin war, ließ die Menschen erstmals ihren Beruf als eine Berufung ansehen. Arbeit war nichts Erniedrigendes mehr, was von Sklaven erledigt wurde, sondern bekam eine geistige Komponente.  Laut Calvin gab Gott den Menschen ihre Berufung und wählte sie gezielt aus bestimmte Tätigkeiten auszuüben. Die Menschen hatten das Bestreben ihre Arbeiten gewissenhaft und erfolgreich auszuüben, um von Gott Gnade zu erbitten.


Arbeit in der Industrialisierung

Einen dramatischen Wandel des Verständnisses von Arbeit und Beruf gab es im Zuge der Industrialisierung im 18./19. Jahrhundert.

Durch technische Innovationen, Urbanisierung und modernen Kapitalismus wurden Handarbeiten zunehmend durch Maschinen ersetzt und der Begriff der Arbeit wandelte sich eher zu einem Verständnis der Massenproduktion.

Zum ersten Mal wollten Menschen durch Arbeit nicht nur ihre Existenz sichern, sondern hatten das Bedürfnis ihr Kapital zu vermehren. Zu dieser Zeit entstand ein Trend, der heute noch spürbar ist: Die Trennung von Männern und Frauen in der Arbeitswelt. Weil Arbeiten nicht mehr von Zuhause aus erledigt werden konnten, mussten die Männer außer Haus an ihre Arbeitsplätze gehen und die Frauen übernahmen die täglichen Aufgaben im Haushalt.

Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken waren jedoch für die arbeitenden Männer so katastrophal, dass es schnell Unruhen gab und die Arbeitnehmenden sich gegen ihre Vorgesetzten in den Unternehmen stellten. Arbeiteraufstände wurden zu dieser Zeit immer populärer und häufiger.

Eine Sinnfindung in der täglichen Arbeit gab es nun nicht mehr. Die Psyche der Menschen wurde durch die tägliche harte Arbeit eher ruiniert, als dass sie sich individuell hätten entfalten können.


Taylor und Ford

Aus dieser kritischen Situation heraus entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts schließlich der Taylorismus. Frederick Winslow Taylor entwarf ein neues Arbeitskonzept, die sogenannte ‚Wissenschaftliche Betriebsführung’.

Kern seines Konzeptes war es, die Arbeitswelt umzuwälzen und vor allem die hierarchischen Strukturen und die Führung in Unternehmen zu verändern.

Taylors Ziel war es die Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmenden so zu steigern, dass der Ertrag der Firmen immer mehr anstieg. Der Gewinn sollte so groß werden, dass er nicht mehr gleichmäßig unter den Arbeitnehmern aufgeteilt werden musste, sondern dass die Unternehmensführung die Angestellten je nach Arbeitsleistung entlohnte und eine Klassengesellschaft im Betrieb entstand.

Geld wurde als Motivator und Anreizsystem benutzt. Die individuelle Entfaltung des Arbeitnehmenden wurde durch dieses System weiter unterdrückt.

Das nächste geschichtliche Ereignis, welches die Arbeitswelt immens prägte war die Erfindung des Fließbandes durch Henry Ford im Jahr 1913.

In Anlehnung an die Prinzipien, die Taylor aufgestellt hatte, half das Fließband dabei die Arbeitsschritte noch sequenzieller zu gestalten und die Arbeitenden somit noch stärker zu kontrollieren.

Von nun an gab der Takt des Fließbandes vor, ob Mitarbeitende schnell und fleißig genug waren. Der Taylorismus und Fordismus des 20. Jahrhunderts nahmen den Arbeitnehmenden die komplette Selbstentfaltung in ihrer Tätigkeit.

Doch dann kam zum Glück ein paar Jahrzehnte später Frithjof Bergmann.


Frithjof Bergmann – Der New Work Vater

Im Jahr 1980 bangten in Massachusetts unzählige Arbeitnehmende der Automobilbranche um ihre Entlassung, weil Computer ihre Arbeit übernommen hatten.

Der Philosoph Frithjof Bergmann und andere Verbündete taten sich daraufhin zu einer Gruppierung zusammen, die einen alternativen Vorschlag zu der geplanten Massenentlassung machte:

Alle Mitarbeitende sollten sechs Monate im Jahr arbeiten und in den restlichen sechs Monaten einer Tätigkeit nachgehen, die sie wirklich, wirklich tun wollten. Sie nannten sich „Zentrum für neue Arbeit“ und kritisierten das Lohnarbeitssystem mit ihrem neuen Ansatz. Das Zentrum hatte zwei zentrale Aufgaben:

  1. Die wirklichen Talente und Fähigkeiten der Arbeitnehmenden hervorbringen
  2. Diese Fähigkeiten zu etwas zu entwickeln, was ihnen Erlös bringt.

Als zentrale Komponente im New Work sah Bergmann den Begriff der Umkehrung.

Bezogen auf die Komponenten Zweck und Mittel stellte er die These auf, dass die Menschen bisher das Mittel zum Zweck, bezogen auf ihre Aufgabenerledigung bei der täglichen Arbeit, waren.

Seine New Work Philosophie kehrte dies um. Von nun an sollte die Arbeit eher den Menschen dienen und ihnen Kraft und Energie für ihr Leben geben.


New Work heute

Vor allem dieses Verständnis ist heutzutage mehr als aktuell. Die Arbeitswelt entwickelt sich immer noch stetig weiter und erfordert neue Ansätze in den Bereichen hybride Zusammenarbeit, dem Verständnis von Führung, effektivem Teamwork und Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort.

Den Begriff einheitlich zu definieren ist sehr schwierig, denn aus der Literatur gehen viele verschiedene New Work Definitionen und Ansätze hervor, die die Komplexität des Megatrends verdeutlichen.

Anhand verschiedener Werke, die sich mit New Work beschäftigen ist festzustellen, dass der Begriff nicht mehr so spezifisch verwendet wird, wie er von Bergmann definiert wurde.

Allgemein steht er für die Veränderung der Arbeitswelt in Unternehmen, wobei sich die Denkansätze und Ausprägungen von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterscheiden können. Einige Theoretiker sagen sogar, dass das Verständnis von New Work heutzutage häufig nicht mehr viel mit Bergmanns Definition zu tun hat, da die kapitalismuskritische Komponente in der heutigen Verwendung häufig fehlt.

„Wir machen es uns zu einfach, wenn wir sagen: In dem Moment, in dem man ausstempelt, gilt New Work nicht mehr. Denn mit New Work ist es wie mit echtem Zeitmanagement: Entweder man praktiziert es über alle Lebensbereiche hinweg (und nicht nur im Berufsleben) oder man lässt es.“ (Markus Väth)

Das Zitat zeigt: New Work ist ein Mindset. Eine Einstellung, keine Methode und kein Prozess, der einfach eingeführt werden kann.


Fazit: New Work leben

Um es Menschen zu ermöglichen Sinn und Erfüllung in ihrer täglichen Arbeit zu finden ist es ausschlaggebend ein Arbeitsumfeld zu erschaffen, in denen die Arbeit das Mittel ist aus dem die Menschen Kraft und Energie für ihr Leben ziehen.

Agile Strukturen, Leadership 4.0, Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort oder ein gestärktes Teamgefühl sind nur einige Punkte, die dabei helfen können.


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